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Eduart Zuckmayer Portrait

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Länge: 87 min.

DCP, Bluray, DVD

© 2015

Eduard Zuckmayer

Ein Musiker in der Türkei



Dokumentarfilm von:
Barbara Trottnow

Bildgestaltung:
Jonas Trottnow

Schnitt:
Oliver Kurrle

Sprecher:
Achim Stellwagen

Eduard Zuckmayer emigrierte 1936 in die Türkei, weil die Nazis ihm Berufsverbot erteilt hatten. Auf Wunsch von Atatürk baute er in Ankara die Musikausbildung auf. Er blieb bis zu seinem Tod 1972 und ist in der Türkei noch heute ein bekannter und geschätzter Mann. Der Film sucht nach den Spuren, die er dort hinterlassen hat.

Geboren wurde Eduard Zuckmayer 1890 in Nackenheim bei Mainz, er ist der ältere Bruder des Schriftstellers Carl Zuckmayer. Sein musikalisches Talent wurde bereits in Kindertagen deutlich. Er begann eine erfolgreiche Karriere als Pianist, verlagerte aber schon in Deutschland seinen Schwerpunkt auf die Musik- pädagogik. In der Türkei weckte er das Interesse an klassischer, westlicher Musik, legte aber auch viel Wert darauf, Musik allen Teilen der Bevölkerung zugänglich zu machen. Er übersetzte deutsche Volkslieder ins Türkische und arrangierte türkische Stücke mehrstimmig.

In Ankara leben noch ehemalige Studenten von ihm, die erzählen, wie er sie gefördert hat, aber auch wie er gelebt hat. Seine Tochter Michele berichtet von ihrer Kindheit in Ankara und Edzard Reuter, ehem. Mercedes Manager, schildert seine Erinnerungen an Eduard Zuckmayer und die damalige Zeit, er war mit seiner Familie bis 1946 in Ankara im Exil.

Im Mittelpunkt des Films aber stehen Musikprojekte, die weiter in der Tradition von Eduard Zuckmayer arbeiten, und ein Besuch an der Gazi Universität in Ankara, seiner Wirkungsstätte. Der Film fragt auch danach, wie gut er integriert war.

An der Gazi Universität in Ankara leitete Eduard Zuckmayer 32 Jahre lang das Institut zur Ausbildung von Musiklehrern, es war sein Kind. Gemeinsam mit Paul Hindemith entwickelte er das pädagogische Konzept und plante auch die Gebäude, eines ist nach ihm benannt, das ‚Zuckmayer Binası’. Lange Zeit war dieses Institut das einzige in der Türkei, heute gibt es sie auch an anderen Orten, z.B. in Izmir an der ‚Dokuz Eylül Üniversitesi’, der Leiter ist ein ehemaliger Student von Eduard Zuckmayer.

Der Chor der Gazi Universität hat in seinem Repertoire eines der Stücke, die Eduard Zuckmayer harmonisiert hat. ‚Bursa Sekme Oyun Havası’ ist ein traditionelles türkisches Tanzlied, das Zuckmayer für den mehrstimmigen Chorgesang bearbeitet hat. Wo immer man nach ihm fragt, erklingt das Lied ‚Dostluk’, das auf dem alten deutschen Volkslied ‚Wahre Freundschaft’ basiert und von Eduard Zuckmayer ins Türkische übersetzt wurde, wie viele andere Lieder auch.

Sein ehemaliges Arbeitszimmer ist heute ein liebevoll gestalteter Gedenkraum, in dem seine Noten und Bücher aufbewahrt werden, aber auch persönliche Gegenstände und Erinnerungen an Deutschland. Auch nach seinem Tod im Jahre 1972 ist er in der Türkei ein hoch geachteter Mann, der vor allem unter Musikern einen legendären Ruf genießt.

Gazi University Ankara Turkey- Barbara Trottnow Medienproduktion Eduard Zuckmayer Wohnhaus auf Gazi Campus Ankara Türkei- Barbara Trottnow Medienproduktion Eduard Zuckmayer Arbeitszimmer an Gazi Universität Ankara Türkei- Barbara Trottnow Medienproduktion
Eduard Zuckmayer und Studenten in Ankara Türkei - Barbara Trottnow Medienproduktion Musikschule Ankara in Tradition von Eduard Zuckmayer - Barbara Trottnow Medienproduktion

Atatürk wollte die 1923 gegründete Republik nach Westen ausrichten und holte Experten ins Land, die helfen sollten, das Staatswesen zu reformieren, aber auch bislang unbekannte Bildungsinhalte zu vermitteln. Das war ein Glücksfall für viele Deutsche, denen in ihrer Heimat von den Nazis Beruf und Zukunft genommen worden waren. In der Türkei konnten sie ihr Wissen einbringen - und fanden Anerkennung. Heute sind es die Stu- denten von Eduard Zuckmayer, die das Musikleben dort prägen.

Prof. Zuckmayer unterrichte Klavier und Chor, aber auch Harmonielehre und Musiktheorie. Musik lernen hieß für ihn Musik machen. Und Musik sollte allen zugänglich sein. MÜZED, der Verband türkischer Musiklehrer, hat ein Projekt initiiert, das diesen Gedanken aufgreift. Musikkstudenten unterrichten in ihrer Freizeit in einem sozial schwachen Stadtteil Kinder, die sonst keine Chance hätten Geige oder Klavier zu spielen. Die Leiterin, Prof. Dr. Suna Çevik hat bei Zuckmayer studiert.

Der Film nähert sich aber auch dem Menschen Eduard Zuckmayer und fragt, wie es ihm in seiner neuen Heimat ergangen ist. Sein Assistent Dr. Erdoğan Okyay sagt, er habe sich als Türke gefühlt. In vielen Briefen wird deutlich, dass er schon überlegt hat nach Deutschland zurück zu kehren. Die Briefe, aber auch viele alte Fotos gewähren oft unerwartete Einblicke in die berufliche und private Situation. Der Schauspieler Achim Stellwagen liest aus den Briefen und lässt Eduard Zuckmayer so zu Wort kommen.

Gefördert durch die "Stiftung Rheinland-Pfalz für Kultur" und die "MFG Filmförderung Baden-Württemberg".

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