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Barbara Trottnow bt medienproduktion - COVER - Emine aus Incesu


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Deutsch / Türkisch
(englische Untertitel)

Länge: 60 min.

© 2006

Emine aus Incesu

Íncesu'lu Emine


Kamera:
Rüdiger Kortz

Schnitt:
Armin Riegel

Musik:
Mikail Aslan

Emine war gerade 18 Jahre alt, als sie 1966 das türkische Dorf Incesu verließ, um allein zum Arbeiten nach Deutschland zu gehen. Erzählt wird die exemplarische Geschichte einer Migration, wie sie hunderttausendfach stattgefunden hat. Dabei beeindruckt besonders, wie offen und persönlich Emine ihre bewegende Lebensgeschichte erzählt. Es gibt den Film in deutscher und türkischer Sprachversion, auf der DVD kann zwischen beiden gewählt werden.

Incesu ist ein kleines Dorf mitten in Anatolien. Der Vater schickte Emine als Gastarbeiterin nach Deutschland, weil er hoffte, sie würde der Familie aus der Armut helfen. Sie konnte kaum lesen, schreiben und rechnen, da sie nur zwei Jahre lang die Schule besuchen durfte. Mit einem Arbeitsvertrag in der Tasche machte sie sich auf die lange Reise. Medizinische Untersuchungen in Istanbul hatten ergeben, dass sie gesund und arbeitsfähig war.

In Deutschland wurden damals dringend Arbeitskräfte für das Wirtschaftswunderland gesucht. 1961 schloss die deutsche Regierung mit der Türkei ein Anwerbeabkommen, das viele Menschen aus ihren Dörfern in deutsche Fabriken lockte. Zwanzig Prozent der Arbeitsmigranten aus der Türkei waren in den ersten Jahren Frauen, die meisten kamen allein.
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Leipheim, eine Kleinstadt an der Donau, ist Emine’s neues Zuhause, dort montiert sie in einer großen Fabrik seit vielen Jahren Einkaufswagen für Supermärkte. Ihre drei Kinder sind wie ihre vier Enkelkinder in Deutschland geboren und aufgewachsen. Von ihrem Mann, der auch aus Incesu stammt und ihr nach Deutschland folgte, hat Emine sich getrennt.

In all den Jahren zog es Emine immer wieder zurück zu ihren Wurzeln, in ihr kleines Dorf Incesu. Der Film zeigt ihren Lebens- und Arbeitsalltag in Deutschland und begleitet sie bei einem Besuch in der alten Heimat. Dort ist vieles so geblieben wie es war: Die Frauen backen ihr Brot auf einer Eisenplatte über offenem Feuer, und auch sonst wird Wert auf Tradition gelegt.

In großer Offenheit gewährt Emine Einblick in ihr bewegtes Leben, ergänzt durch die Aussagen ihres Bruders und ihrer Kinder. So erzählt sie von ihren Ängsten als junge Frau allein in Deutschland und den Reaktionen im Dorf. Weil sie befürchtete, junge Männer könnten hinter ihr her sein, kleidete sie sich wie eine alte Frau und zog immer einen weiten Mantel an. Die Oma hatte ihr dazu geraten. Einfühlsam dokumentiert der Film, wie groß der Schritt war, den Emine damals gewagt hat. Eine Rückkehr kommt für sie und ihre Kinder nicht in Frage.
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Selbstkritisch geht Emine auf die Frage ein, warum sie nie richtig Deutsch gelernt hat. In den Betrieben gab es anfangs Dolmetscher, und später fehlte ihr die Zeit für Sprachkurse. Wenn sie müde von der Arbeit heim kam, warteten Kinder und Haushalt. Im Film erzählt Emine ihre Lebensgeschichte in Türkisch, ihrer Muttersprache. In der deutschen Sprachfassung wird sie von einer Schauspielerin synchronisiert, die türkische Sprachfassung bietet den Originalton und somit ein höheres Maß an Authentizität.

Emine’s Kinder sind stolz auf ihre Mutter. Sohn Nafiz findet es sehr mutig, dass seine Mutter allein nach Deutschland gekommen ist, ohne ein Wort Deutsch zu können. Und Tochter Dilek weiß, wie sehr sie davon profitiert, dass ihre Mutter damals all die Schwierigkeiten auf sich genommen hat. Die drei Kinder sprechen besser Deutsch als Türkisch, haben die Schule abgeschlossen und Berufsausbildungen gemacht. Sie sind in der deutschen Gesellschaft angekommen, und dennoch möchten sie einiges bewahren aus der Tradition ihrer Eltern. So ist es für Dilek von Bedeutung, dass ihre kleine Tochter später einmal als Jungfrau in die Ehe geht.

Der Film eignet sich gut für die Integrationsarbeit und wird auch für den Türkisch-Unterricht empfohlen.

Die türkische Fassung wurde gefördert von:
Stiftung Rheinland Pfalz für Kultur

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